Fickwunschverdacht und Topcheckertum – Erste Eindrücke der re:publica 2010

Seit heute findet die 4. re:publica, die auch als Klassentreffen der Blogosphäre betitelte wird, im Berliner Friedrichstadt Palast, der Kalkscheune und dieses Jahr auch zusätzlich im Quatsch Comedy Club statt. Auch ich habe neben rund 2500 anderen Besuchern das Vergnügen auf Grund eines relativ flexiblen Zeitplans die Konferenz zu besuchen. Im folgenden meine ersten Eindrücke vom ersten der drei Veranstaltungstag.

Die Anmeldung

Der Start verlief leider nicht sehr famos, eine volle Eingangshalle, mit gefühlt 10 verschiedenen Reihen in denen Konferenzteilnehmer anstanden, die bereits ein Ticket gekauft haben und nur noch an ihr Bändchen kommen mussten, um an den vielzähligen Eingängen später vom Personal authorisiert zu werden. Warum man das nicht anders löst ist und war mir auch schon im letzten Jahr nicht ganz klar. Auf dem von Amiando bereitgestellten Ticket befindet sich ein Barcode und auch ein QR-Code, mit dem man doch die Registrierung der Teilnehmer mehr als bequem und schnell durchführen könnte, ohne in Langen Teilnehmerlisten per Hand zu suchen: 1. Barcode (equivalent QR-Code) scannen, Scanner checkt ob Code bereits gescannt, und je nach Ergebnis des Scans, Bändchen verteilen oder eben nicht. Dann könnte man das ganze um einiges beschleunigen denke ich. Eine Geldfrage ist es sicher nicht. Die unzähligen 27 Zoll iMacs die in jedem Raum stehen, kosten pro Stück jeweils rund 1500€, ein Barcodescanner dagegen gibt es sicherlich schon ab 20€. Und am Personal für die Umsetzung einer Software kann es sicherlich auch nicht Mangeln in Anbetracht der Interessen der Teilnehmer.

Session 1 – Google Buzz for the rest of us

Mein Tag begann mit dieser Session im Quatsch Comedy Club. Thomas Steiner von Google Hamburg verschaffte den Anwesenden Zuhörern einen kurzen Einblick in einige Funktionen von Google Buzz und stellte kurz die Unterschiede zu Twitter vor. Großen Wert legte er auch auf die Privatsphäre der Buzz Nutzer und demonstrierte wie schnell sich das Buzz Profil vor anderen Usern verstecken lässt. Alles in allem ein guter Vortrag, der auch von Stefan Keuchel, Pressesprecher Google Deutschland, unterstützt wurde. Leider konnte Thomas Steiner nur einen kleinen Einblick in die Funktionen der Buzz Software geben, da der Zugang zum Internet auf der re:publica, wie auch schon im letzten Jahr, nur sporadisch bis gar nicht funktioniert und somit auch leider viele Speaker eingeschränkt in ihren Möglichkeiten sind.

@Thomas wenn du mal jemanden brauchst, der dir deine Webseiten etwas modernisiert, lass es mich wissen.

Session 2 – La Résistance – was Kollaboration und Coworking mit selbstbestimmtem Leben zu tun haben

Nach dem Quatsch Comdey Club ging es dann rüber in die Kalkscheune zu Sebastian Sooth, der Möglichkeiten für Freelancer und Homeworker vorstellte, im Arbeitsalltag nicht alleine zu Hause zu verrotten, sondern mit anderen Personen, die die gleichen Interessen haben, zusammen an einem Ort zu arbeiten. Er gab ein bisschen Inspiration für Firmen, wie sie ihre festen Arbeitszeiten abschaffen können um mit Ergebnisorientierter Arbeit genauso erfolgreich sein zu können. Am Beispiel von Best Buy, dem größten Elektronik Markt in Amerika, die nach dem ROWE Prinzip Arbeiten, zeigte er, dass moderne Arbeitszeitmodelle auch erfolgreich sein können, ganz ohne den täglich zwanghaften Weg ins Büro. Wer mehr über das Best Buy Prinzip erfahren möchte, kann sich den kurzen Artikel über ROWE – Results-Only Work Environment auf Wikipedia ja mal durchlesen.

Session 3 – Slow Design. – Oder: Wie Designthinking (vielleicht) die Welt retten kann

Gleich im Anschluss an das Panel von Sebastian folgte das Panel von Thomas Klose mit dem Namen „Slow Design. – Oder: Wie Designthinking (vielleicht) die Welt retten kann“. Aus diesem Panel habe ich leider nicht sehr viel mitgenommen. Wie Thomas nun genau die Welt retten will mit seinem Design ist mir nicht ganz klar geworden, aber er hat die Zuhörer darauf hin gewiesen, dass es uns im Verhältnis zu anderen Menschen auf der Welt verdammt gut geht.

Workshop 1 – Modefotografie auf der Straße, Teil 1 – How to make people look Good

Nach der Mittagspause nahm ich dann an meinem ersten Workshop teil, in dem es darum ging, Leute die einem gefallen, auf der Straße anzusprechen und von ihnen ein gutes Foto zu machen. Mary Schärpe, Gründerin des Blogs Stil in Berlin, machte eine kurze Einführung in die Fotografie auf der Straße, und wie man fremde Menschen am besten anspricht um von ihnen ein Foto zu schießen. Aufgabe des Workshops ist es nun zwei ausgewählte Fotos zu machen und diese zum zweiten Teil des Workshops am Freitag mitzubringen. Dann werden diese auseinander genommen. Ich bin gespannt ob ich jemanden auf der Straße finde den ich a) fotografieren möchte und b) der auch von mir fotografiert werden möchte. Ich glaube das wird nicht ganz einfach, aber ich denke ich bekomme es hin. Die Ergebnisse, sofern sie denn halbwegs akzeptabel werden, werde ich dann hier oder in meinem Photoblog posten.

Session 4 – Wie man Leuten nichts beibringt

Der wohl amüsanteste und erhellendste Vortrag an diesem Tag kam von Kathrin Passig, die neben Topcheckertum und Fickwunschverdacht auch den Tachyonenfluxkompensator auf die vorderen Deflektorschilde umlenkte. Eine äußerst amüsante und auch lebensnahe Session. Danke dafür.

Session 5 & 6 – Mobile Augmented Reality & Flattr – Social Micro Donations

Dann kamen im Anschluss noch zwei weitere Sessions von Marc Rene Gardeya und Peter Sunde. Von Mark erwartete ich eigentlich einen etwas tieferen Einblick in Augmented Reality. Der Vortrag enttäuschte doch leider eher. Schade, weil es wirklich ein spannendes Thema ist, aus dem man hätte mehr rausholen können. Peter Sunde dagegen überzeugte mich sehr von Flattr, dem ersten social micro-payment System. Mit Flattr ist es möglich „Künstlern“ im Netz so genannte micro-payments, also Kleinstbeträge zukommen zu lassen. Als Künstler kann sich jeder verstehen der etwas im Netz anbietet und Konsumenten hat. Da würden mir Blogger, Musiker, Fotographen oder auch Programmierer, die Spiele im Netz kostenfrei anbieten, einfallen. Bei Flattr überweist man einen Betrag und dieser Betrag wird dann auf alle Empfänger aufgeteilt. Man kann sich das also wie folgt vorstellen. Man überweist 10€ an Flattr und auf dem Weg durchs Netz trifft man auf 10 verschiedene Künstler, die man unterstützen möchte. Dann werden am Ende des Monats die 10€ auf alle Künstler aufgeteilt. Jeder bekommt also 1/10 der überwiesenen Summe. Wieviel im Endeffekt von den 10€ an Flattr gehen weiß ich nicht. Sollte man aber 1000 Künstler unterstützen wollen, dann werden die 10€ durch 1000 geteilt. Oder aber wenn man nur einen unterstützt, bekommt der den kompletten Betrag. Nice Thing.

Fazit

Das war der erste re:publica Tag in diesem Jahr. Ich war sehr zufrieden mit meiner Auswahl der Themen und freue mich auf den morgigen Tag. Ein großes Lob auch an die Veranstalter, die zwar immer noch ein komisches Anmeldesystem haben und es auch nicht hinbekommen haben für rund 2500 Leute das Internet ausfallsicher zum Laufen zu bringen, dennoch haben sie es geschafft wieder ein tolles Event auf die Beine zu stellen. Und das mit dem Internet, naja, was solls, dann hören die Leute wenigstens besser zu, denn auch die Mobilfunkanbieter sind bei 2500 Personen, die an einem Ort zentriert sind scheinbar überfordert, bzw. die Funkzellen. Also lahmt das UMTS Netz auch.

3 Gedanken zu „Fickwunschverdacht und Topcheckertum – Erste Eindrücke der re:publica 2010“

  1. Ich fand’s dieses Jahr auch super. Waren ganz aktuelle Themen dabei… das Thema Coworking ist gerade brand aktuell. Ich brauche auch schleunigst ein Büro mit anderen Onlinern zusammen.
    Das mit dem Fickwunsch verdacht habe ich wohl verpasst. Aber bei dem Vortragstitel weiß man auch echt noch worum es nun gehen soll. Von wegen nix beibringen – ich will doch was lernen 😉

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