Operation Walküre – lohnt es sich?

Gestern war ich zur Preview des neuen Films von Bryan Singer (X-Men, Dr. House) in einem sehr leeren Kino. Es waren vielleicht 20 Personen anwesend. Muss nicht am Film gelegen haben. Lag eher am Kino.

[singlepic=2294,200,150,,left]Schon während der Dreharbeiten zu Operation Walküre in Berlin, machte der Film eine Runde durch die Medien. Nicht nur weil sich Statisten bei den Dreharbeiten vor dem ehemaligen Reichsluftfahrtministerium verletzten, sondern auch weil ausgerechnet ein „Propaganda Minister“ von Scientology den Hitler stürzen soll. Die Rede ist natürlich von Tom Cruise. Da ich vor ca. 4 – 5 Jahren schon die deutsche Produktion Stauffenberg gesehen habe, und vom hollywoodschen Einfluss auf den 20. Juli 1944 nicht wirklich großartig neues in Bezug auf die geschichtliche Aufklärung erwartet habe, fällt das Urteil über den Film gar nicht so schlecht aus. Allerdings ist er in meinen Augen eher überflüssig.

Der Film hat deutlich über 100 Millionen Dollar gekostet. Das ist er in meinen Augen nicht Wert. Stauffenberg habe ich zwar schon vor ca. 4 Jahren gesehen, aber wenn ich mich richtig erinnere, hat auch dieser die Ereignisse ausreichend dargestellt. Dazu noch mit einem besser passendem Graf von Stauffenberg und mit einem geringeren Budget. Allerdings bringt die amerikanische Produktion den Vorteil mit sich, dass nun auch viele einige Amerikaner ins Kino rennen und sich ein wenig mehr mit der Geschichte beschäftigen. Da drüben wissen wohl nur wenige Leute, dass es auch interne deutsche Aufständige gegen Hitler gab. Somit hat der Film vielleicht doch seine Daseinsberechtigung. Mit dem Prädikat „besonders wertvoll“, wie es die Filmbewertungsstelle Wiesbaden getan hat, würde ich ihn allerdings nicht auszeichnen.

Schlecht gemacht ist der Film keinesfalls. Die schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller waren, soweit ich das als Leihe beurteilen kann, alle in Ordnung. Ich würde gerne noch mehr positive Sachen schreiben, da der Film wirklich nicht schlecht war, aber mir fällt nicht wirklich mehr ein (vielleicht war er doch nicht so gut?!).

Wer überlegt sich den Film anzusehen, der sollte sich vorher auf jedenfall die Frage stellen wieso er ins Kino will. Wer Fan von Tom Cruise ist oder einfach mal wieder gerne einen gar nicht mal so schlechten Kriegsfilm sehen will, der sollte sich ruhig die Großleinwand gönnen. Wer allerdings den Film sehen will um neues über die Geschichte zu erfahren, der kann sich den Weg ins Kino sparen. Die deutsche Produktion Stauffenberg läuft sicher auch bald mal wieder im deutschen Fernsehprogramm. Wer es nicht abwarten kann, dem sei die 2-teilige Dokureihe Stauffenberg und der deutsche Widerstand in der ZDF Mediathek ans Herz gelegt. Dort gibt es auch eine 2-mal rund 10 minütige Kurzfassung der Dokumentation.

Fazit also: Operation Walküre bietet in meinen Augen keinen bzw. nur geringen Mehrwert gegenüber Stauffenberg.

Der Trailer zum Film:

[youtube OYKRwLWt4e8]

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5 Gedanken zu „Operation Walküre – lohnt es sich?“

  1. Es ist doch so, irgendwie finden die Leute Filme gut, in denen es um eine Vergangenheit geht, die wir eigentlich alle vergessen sollten. Denn es ist vorbei und ich finde es nicht gut, wenn man so was immer wieder ans Tageslicht bringt. Ich halte von solchen Filmen persönlich gar nichts. Betrachte ich die Sache aber mal objektiv, dann muss ich sagen, dass der Film glaube ich nicht so gut ist wie Stauffenberg. Ich bin gespannt wie die Zuschauer auf diesen Film reagieren werden.

    1. Also ich bin nicht der Meinung das wir die Geschichte vergessen sollten. Das ist das schlimmste was passieren könnte. Ich finde nur wir sollten uns nicht von unserer Geschichte das Wort verbieten lassen oder uns von ihr zu sehr einschränken lassen. Aber wenn wir das was geschehen ist vergessen, dann kommt es morgen vielleicht wieder zu ähnlichen „Vorgängen“.

  2. Die Meinung von einer aus’m Archiv:
    „Nur wer die Geschichte kennt, kann die Gegenwart begreifen und die Zukunft gestalten.“

    Vergessen hingegen ist gaaaanz schlecht! Denn wie Markus schon sagt – wir wollen doch nicht, dass die gleichen Fehler wieder passieren.

  3. Ich bin eigentlich kein Fan von solchen Filmen. Aber ich möchte zu dem Thema allg. etwas sagen. Ich bin ja der Ansicht, dass man die Vergangenheit auf gar keinen Fall vergessen darf. Man muss sich damit sehr wohl auseinandersetzen und sich bewusst werden, was wir falsch gemacht haben und dann können wir es in Zukunft und auch in der Gegenwart verhindern. Dennoch finde ich manche Sachen einfach zu heftig, was diesen Bereich angeht. Vor allem die Politik versteckt sich oft hinter unserer Vergangenheit.

    1. dann können wir es in Zukunft und auch in der Gegenwart verhindern

      Ich glaube das soetwas jederzeit wieder passieren kann. Vielleicht nicht in dieser Größenordnung, aber passieren kann es in jedem Fall. Egal ob wir wissen das soetwas schon einmal passiert ist oder nicht. Ein gutes Beispiel ist da glaube ich der Film „Die Welle“. Anfangs nur ein Versuch, der dann aber unkontrollierbar wurde.

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